Ab 2028 droht ihr TÜV-desaster: trifft 5,5 millionen autos – sind sie mit 2G-ecall gefährdet?

Ab 2028 droht ihr TÜV-desaster: trifft 5,5 millionen autos – sind sie mit 2G-ecall gefährdet?

Ein unscheinbarer Schnitt im Funknetz könnte Ihr Auto unverhofft betreffen. Ausgerechnet eine Sicherheitsfunktion steht auf der Kippe.

Ab 2028 soll das 2G-Netz in Deutschland schrittweise vom Netz gehen. Viele Fahrzeuge verlassen sich bei Notrufen genau darauf. Wer die Hauptuntersuchung plant, muss wissen, was das bedeutet und wie man vorbaut.

Was hinter dem 2g-aus steckt

2G, auch GSM genannt, war jahrzehntelang das Fundament der mobilen Telefonie. Moderne Datendienste laufen heute über LTE und 5G, doch Millionen Geräte der Maschinenkommunikation – darunter Fahrzeug-Notrufsysteme – funken weiterhin über 2G. Wenn dieses Netz verschwindet, fallen manche ecall-Module stumm.

Warum 3g schon weg ist und 2g als notanker diente

Die Netzbetreiber haben 3G bereits abgeschaltet, um Frequenzen für schnellere Standards freizumachen. Viele Autos mit ecall nutzen seitdem 2G als Fallback für die gesetzlich vorgeschriebene 112-Verbindung. Genau dieser Notanker droht nun zu reißen.

Betroffen sind vor allem Fahrzeuge mit Typgenehmigung ab März 2018, deren ecall-Modem nur über 2G eine 112-Verbindung aufbauen kann.

Was das für die hauptuntersuchung bedeutet

Die Hauptuntersuchung bewertet sicherheitsrelevante Systeme. Wenn die SOS-Anzeige im Fahrzeug dauerhaft eine Störung meldet oder der Selbsttest des ecall-Systems fehlschlägt, kann das als erheblicher Mangel eingestuft werden. Branchenvertreter fordern deshalb, Netzausfälle nicht pauschal dem Fahrzeug anzulasten.

Der TÜV-Verband weist darauf hin, dass ecall europaweit Pflicht ist, wenn das Fahrzeug eine entsprechende Typgenehmigung hat. Funktioniert die vorgeschriebene Notrufverbindung nicht, fehlt eine gesetzlich geforderte Sicherheitsebene – mit Folgen für die Plakette. Schätzungen zufolge könnten bis zu 5,5 Millionen Autos in Deutschland in diese Risikogruppe fallen, vor allem in der Klein- und Kompaktklasse.

Welche fahrzeuge besonders gefährdet sind

  • Modelle mit Erstzulassung ab 2019, die ecall ab Werk nur über 2G absetzen
  • Fahrzeuge ohne LTE-/4G-fähiges Telematik-Steuergerät (TCU)
  • Importfahrzeuge mit 2G-ecall-Varianten für den EU-Markt
  • Basisversionen, bei denen Konnektivitätsoptionen eingespart wurden

Ohne Anpassung der Vorschriften droht ab 2028 eine Grauzone: Defektes System oder fehlendes Netz – wer trägt die Verantwortung?

So planen die netzbetreiber die abschaltung

Die drei großen Anbieter haben einen groben Fahrplan. Fixe Zeitpunkte dienen als Orientierung, regionale Vorläufe sind möglich.

Netzbetreiber Abschaltziel Bemerkung
Telekom bis Juni 2028 schrittweise Abschaltung nach Region denkbar
Vodafone bis September 2028 2G war zuletzt primär für M2M und Notrufe relevant
Telefonica (O2) noch kein Datum Evaluation läuft; Ankündigung wird erwartet

Der Branchenverband der Autohersteller drängt auf längere Übergangsfristen, teils bis zu 15 Jahre, weil Fahrzeugkomponenten deutlich länger im Feld bleiben als Smartphones. Ohne Verlängerung trifft der Einschnitt viele Fahrzeuge mitten im Lebenszyklus.

Optionen für hersteller und fahrer

Technische nachrüstung und ihre grenzen

Eine Nachrüstung ist möglich, wenn der Hersteller für das betroffene Modell ein LTE-/4G-fähiges TCU anbietet. Das kann Hardwaretausch, Kabelbaum-Anpassungen und Software-Kodierung umfassen. Werkstattangebote variieren stark; je nach Marke und Modell können mehrere Hundert bis deutlich über tausend Euro anfallen. Verfügbare Teile und eine Typfreigabe entscheiden, ob der Eingriff zulässig ist.

Aftermarket-Lösungen wie OBD-Stecker oder Smartphone-Apps ersetzen den 112-basierten ecall nicht. Sie wählen oft eine Servicezentrale oder private Notrufnummern und gelten rechtlich nicht als Ersatz für das gesetzlich geforderte System. Für die HU zählt das eingebaute ecall – nicht eine App auf dem Handy.

Regulatorische lösungen im gespräch

Prüforganisationen schlagen vor, ecall-Ausfälle, die nachweislich am fehlenden 2G-Netz liegen, nicht als erheblichen Mangel zu bewerten. Denkbar wäre eine befristete Regelung mit Auflage, dass das System im Bereich verfügbarer Netze fehlerfrei arbeitet. Parallel wird diskutiert, ob ein Upgrade auf IP-basierte Notrufverfahren (ecall über LTE/IMS) als Herstellernachrüstung anerkannt wird.

Blick nach vorn: next-gen-ecall und alternative notrufwege

Die nächste ecall-Generation setzt auf schnelle IP-Verbindungen. Sie kann neben Positionsdaten zusätzliche Informationen übertragen und perspektivisch Bilder liefern. Das verbessert die Einsatzvorbereitung von Leitstellen. Ältere Fahrzeuge lassen sich darauf selten wirtschaftlich umrüsten, weshalb Übergangsmodelle gefragt sind, die 112-kompatibel bleiben.

Manche Hersteller koppeln den SOS-Knopf zusätzlich an eigene Servicezentren. Fällt 2G weg, kann diese Verbindung je nach Fahrzeug trotzdem funktionieren, wenn das Auto LTE an Bord hat. Rechtlich zählt am Ende aber der 112-basierte ecall: Er muss zuverlässig erreichbar sein.

Was sie jetzt konkret tun können

  • In der Bedienungsanleitung prüfen, welche Mobilfunktechnik das ecall-System nutzt (2G/3G/LTE).
  • Beim Servicepartner nachfragen, ob es ein TCU-Update oder eine freigegebene LTE-Nachrüstung gibt.
  • Beim nächsten Werkstatttermin den ecall-Selbsttest prüfen lassen und Fehlerspeicher auslesen.
  • HU frühzeitig planen, wenn die 2G-Abschaltung regional ansteht; bei Warnanzeige rechtzeitig handeln.
  • Beim Gebrauchtwagenkauf gezielt nach ecall-Technik und Softwarestand fragen.

Zahlen, risiken, folgen für den alltag

Rund 5,5 Millionen Fahrzeuge könnten betroffen sein, vor allem in Segmenten, in denen Hersteller aus Kostengründen 2G-Module verbaut haben. Der praktische Effekt zeigt sich zunächst regional: Sobald ein Betreiber in einer Region 2G abschaltet, sind dort 112-Anrufe aus älteren ecall-Einheiten nicht mehr möglich. Das Fahrzeug meldet das häufig mit einer SOS-Warnleuchte oder einer Meldung im Display.

Das Risiko liegt nicht nur bei der HU. Auch nach einem Unfall kann der automatische Notruf ausfallen. Wer viel über Land fährt oder nachts pendelt, sollte daher klären, ob das eigene Modell ein Update bekommt. Versicherer beobachten das Thema, denn ecall verkürzt die Rettungszeit – ein Faktor, der bei schweren Unfällen zählt.

Hintergrundwissen für interessierte

Der 112-basierte ecall sendet einen Mindestdatensatz mit Ortung, Fahrtrichtung, Zeitstempel und Fahrzeugkennung an die zuständige Leitstelle und baut parallel eine Sprachverbindung auf. Heute läuft das meist leitungsvermittelt über 2G. Künftige Varianten nutzen paketvermittelte Verbindungen über LTE mit Notruf über IMS. Für Deutschland müssen Leitstellen beide Verfahren verarbeiten können; die Umstellung erfolgt schrittweise.

Es existiert außerdem ein sogenannter TPS-ecall, bei dem zuerst eine private Servicezentrale angerufen wird. Rechtlich muss das Fahrzeug aber jederzeit auf den 112-ecall umschalten können. Fällt 2G weg und unterstützt das Fahrzeug keine IP-Variante, kann auch dieser Fallback scheitern.

Praxischeck: so schätzen sie die lage für ihr modell ein

  • Fahrzeugalter: ab Baujahr 2018 steigt die Wahrscheinlichkeit für verpflichtenden ecall, aber nicht jedes Auto hat LTE.
  • Ausstattung: Konnektivitätsmodule mit eingebauter SIM und Datendiensten deuten auf 4G-Fähigkeit hin.
  • Diagnose: Eine Werkstatt kann anhand der Teilenummer des TCU feststellen, ob ein LTE-Modul verbaut ist.
  • Kostenrahmen: Für geprüfte Nachrüstkits sollten Sie neben Teilen auch Einbauzeit und Softwarelizenz einplanen.

Wer rechtzeitig beim Hersteller anfragt, verschafft sich Handlungsspielraum. Manche Marken planen Servicekampagnen oder Softwarestände, um ecall über alternative Netze zu ermöglichen. Wo es keine Lösung gibt, bleibt die Hoffnung auf eine Übergangsregel, die HU-Hürden abfedert, bis die Netze endgültig umgestellt sind.

1 thought on “Ab 2028 droht ihr TÜV-desaster: trifft 5,5 millionen autos – sind sie mit 2G-ecall gefährdet?”

  1. Célinerévélation

    Heißt das, mein Kleinwagen Bj. 2019 fällt 2028 bei der HU durch, weil ecall nur 2G kann? Im Bordbuch steht nix zu LTE. Was soll ich jetzt prüfen?

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