Plötzlich fehlt ein bekanntes Modell von der Mercedes-Seite. Kunden staunen, Händler murren, Rivalen wittern Chancen. Was bahnt sich an?
Auf der deutschen Website taucht der Eqb nicht mehr auf, doch hinter den Kulissen laufen Vorbereitungen. Mercedes strukturiert das Angebot neu und ordnet den Nachfolger ein. Das sorgt für Fragen nach Preis, Technik und Timing. Zugleich sendet der Schritt Signale an einen Markt, der 2025 spürbar härter um Käufer ringt.
Was Mercedes jetzt macht
Der Hersteller hat den Eqb von der deutschen Seite genommen, verkauft Restbestände nicht weiter und bereitet den Modellwechsel vor. Ein Sprecher erklärt, man bringe im kommenden Jahr sowohl eine elektrische als auch eine Verbrenner-Variante auf den Markt. Diese Aussage lässt viel Interpretationsspielraum für die künftige Aufstellung im Kompakt-SUV-Segment von Mercedes.
Vor dem Start des neuen Modells zieht Mercedes den aktuellen Eqb aus dem Verkehr, um Bestände zu steuern und den Launch zu fokussieren.
Solche Übergangsphasen dauern in der Branche selten lange. Wer jetzt bestellt, greift meist zu Lagerfahrzeugen im Handel. Wer warten kann, beobachtet die Ankündigungen in den nächsten Wochen. Der Markt reagiert empfindlich auf Preislisten und Lieferzeiten, vor allem seit die Förderung weggefallen ist.
Der bisherige Absatzdruck
Die Neuzulassungen zeigen, wie eng das Rennen in der Kompaktklasse geworden ist. Im ersten Halbjahr 2025 kamen in Deutschland weniger als 3.800 Eqb neu auf die Straße. Der BMW iX1 schaffte im gleichen Zeitraum mehr als 7.400 Einheiten. Händler berichten von preissensiblen Kunden, die exakt rechnen und Alternativen vergleichen.
Weniger als 3.800 Eqb im ersten Halbjahr 2025, mehr als 7.400 iX1: Die Kaufentscheidung kippt derzeit oft Richtung München.
Das Ende des Umweltbonus Ende 2023 verschärft den Druck. Rabatte wiegen fehlende Förderung nur begrenzt auf. Reichweite, Ladeleistung und Paketpreise werden deshalb zu harten Entscheidungskriterien. Hier will der Nachfolger punkten.
Was der Nachfolger in Aussicht stellt
Die neue Generation soll auf die MMA-Architektur wechseln, die bereits beim neuen CLA debütiert. Sie bringt ein 800-Volt-System mit. Das verkürzt die Ladezeiten deutlich und senkt Verluste. In Aussicht stehen Ladeleistungen von über 300 kW, eine höhere Effizienz und Reichweiten jenseits der 600 Kilometer.
800 Volt, über 300 kW am Schnelllader, mehr als 600 km Reichweite: Die Technik zielt klar auf Vielfahrer und Fernstrecken.
Als Speicher ist eine Batterie mit rund 85 kWh geplant. Käufer wählen voraussichtlich zwischen Heckantrieb mit 272 PS oder Allrad mit zwei Motoren und 354 PS. Ein Zweiganggetriebe soll Autobahnfahrten effizienter machen. In dieser Fahrzeugklasse wäre das für Mercedes ein Novum.
Technikdaten auf einen Blick
| Merkmal | Eqb (neu, geplant) | Eqb (bisher, Auswahl) | BMW iX1 (Vergleich, H1/2025) |
|---|---|---|---|
| Plattform | MMA, 800 V | MEA/angepasst, 400 V | FAAR, 400 V |
| Batterie | ca. 85 kWh | bis 70–80 kWh netto | 64–66 kWh netto |
| Ladeleistung | > 300 kW | bis ca. 100–170 kW | bis ca. 130 kW |
| Antriebe | RWD 272 PS, AWD 354 PS | FWD/AWD 228–292 PS | AWD 313 PS |
| Angestrebte Reichweite | > 600 km | bis ca. 450 km | bis ca. 440–475 km |
| Neuzulassungen H1/2025 (DE) | – | < 3.800 | > 7.400 |
Angaben zum neuen Modell stammen aus dem internen Planungsstand und können sich bis zur Markteinführung ändern. Der Vergleich dient der Einordnung am Markt.
Preisfrage und Positionierung
Der Erfolg hängt stark vom Preis ab. Mercedes fiel in den vergangenen Monaten durch straffe Listenpreise auf. Einige Händler sprachen von einer gierigen Strategie. Das wirkt im Premiumsegment riskant, wenn Wettbewerber aggressive Leasingraten anbieten. Mit MMA und 800 Volt kann Mercedes höhere Effizienzkosten anführen. Am Ende zählt aber die monatliche Rate.
Für den Start bietet sich ein zweigleisiger Ansatz an: ein schnelles Einführungsleasing mit kurzer Lieferzeit und eine Option mit größerer Batterie für Vielfahrer. Wer häufig an 350-kW-Säulen lädt, rechnet Taktzeiten heute in Minuten pro 100 Kilometer. Hier verschafft 800 Volt einen spürbaren Vorteil, wenn der Preis passt.
Was Käufer jetzt tun können
- Bestandsfahrzeuge prüfen: Händler haben teils sofort verfügbare Eqb mit Nachlass, häufig mit Winterpaketen.
- Lieferfenster abwarten: Wer neue Technik will, sollte die finale Preisliste und WLTP-Werte abpassen.
- Leasing kalkulieren: Die monatliche Rate über gesamte Laufzeit vergleichen, inklusive Versicherung und Wartung.
- Ladeprofil checken: Wer häufig Langstrecke fährt, profitiert besonders von >300 kW; Stadtfahrer achten eher auf Verbrauch.
- Wiederverkauf bedenken: Neue Plattformen stabilisieren oft den Restwert; Übergangsmodelle verlieren schneller.
Marktumfeld und Ladeinfrastruktur
Das Schnellladenetz wächst. Anbieter bauen mehr 300–350-kW-Standorte an Autobahnen und Knotenpunkten. 800-Volt-Fahrzeuge nutzen diese Spitzenleistungen besser aus. Wer zuhause keine Wallbox hat, sollte Tarife mit kWh-Preisdeckel wählen. Nachtstromfenster und Ladekarten-Bundles drücken die Kosten pro 100 Kilometer deutlich unter Benzin-Niveau.
Der Wegfall staatlicher Prämien verschiebt den Fokus auf TCO. Wartung, Versicherung, Energiepreise und Wertverlust entscheiden. Ein effizienter Antrieb mit langer Übersetzung spart auf der Autobahn spürbar Geld. Genau hier setzt das Zweigangkonzept an.
Offene Punkte, auf die es ankommt
Drei Fragen bleiben zentral. Erstens: Wo startet der Basispreis, und wie staffelt Mercedes Batterie- und Antriebspakete? Zweitens: Wie lang sind die Lieferzeiten im ersten Quartal nach Marktstart? Drittens: Wie stark werden Händler beim effektiven Endpreis mitziehen? Antworten darauf geben den Ton für 2026 vor.
Preis, Verfügbarkeit, Rate: Diese drei Hebel entscheiden, ob der neue Eqb den Abstand zum iX1 schließen kann.
Das Timing dürfte knapp kalkuliert sein. Mercedes muss Stammkunden halten, E-Skeptiker überzeugen und Dienstwagenkunden zurückgewinnen. Ein transparenter Produktbaukasten mit klaren Paketen hilft: Basis, Langstrecke, Performance. So finden Kunden schneller die passende Konfiguration, und Händler können Lagerfahrzeuge zielgenau planen.
Zusatzwissen für den Alltag
Wer Reichweite simuliert, nutzt eine einfache Faustregel: Bei 120 km/h erhöht sich der Verbrauch gegenüber WLTP je nach Aerodynamik um 20 bis 40 Prozent. Ein 85-kWh-Akku mit real 77 kWh nutzbar liefert dann bei 19–20 kWh/100 km rund 380–400 km Autobahnreichweite. Mit 300-kW-Lader genügen oft 12–15 Minuten, um 250–300 km nachzuladen, wenn das Fahrzeug die Leistung dauerhaft hält.
Beim Heimladen lohnt ein Blick auf variable Stromtarife. Lastverschiebung in die Nacht senkt die Kosten. Viele Netzbetreiber fördern steuerbare Wallboxen. Wer keine eigene Ladeoption hat, reduziert Kosten mit Firmenladekarten oder Sammelrabatten im Verbund mehrerer Anbieter. Risiken bleiben: stark schwankende Strompreise und mögliche Warteschlangen an Ferienwochenenden. Vorteilhaft wirken Karten mit Reservierungsfunktion und dynamischer Belegungsanzeige.



Verschwindet der EQB nur von der Website oder ist das Modell faktisch beendet bis zum Nachfolger? Sind die >600 km realistich bei 120 km/h, und gibt’s echte 300 kW auch über ein breites SoC-Fenster? Wie sieht’s mit Anhängelast aus?
Die Preisstrategie wirkt ehrlich gesagt zu gierig. Ohne Umweltbonus zählen die monatlichen Raten – und da hat der iX1 aktuell klahr die Nase vorn. Wenn Mercedes wieder mit Listenpreis-Show anfängt und die Händler kaum mitziehen, wird das nix.